Petrarca und die Geschichte
Geschichtsschreibung, Rhetorik, Philosophie im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit
Kessler, Eckhard
2004, 304 S, Kt, (Fink)
Bestell-Nr. 142847

45,90 EUR

Francesco Petrarca ist heute fast ausschließlich als Verfasser des Canzoniere bekannt, mit dem er für Jahrhunderte die europäische Liebeslyrik geprägt hat. Seinen Zeitgenossen und anscheinend auch ihm selbst galten jedoch seine lateinischen Werke - das Epos Africa, die Viten, die moralphilosophischen Schriften, Invektiven und Briefsammlungen, in denen er die wechselnden Fragen des privaten und öffentlichen Lebens reflektierte - höher; in ihnen fand nicht nur die italienische Umwelt, sondern auch noch ein Jahrhundert später die europäische Nachwelt den Philosophen, der angesichts der Ausweglosigkeit spätmittelalterlicher Scholastik neue Wege zu einem dem Menschen gemäßen Selbst- und Weltverständnis wies. Eckhard Keßlers Untersuchung, die mit dem Premio Montecchio ausgezeichnet wurde, stellt Petrarca in den Kontext der Spätscholastik und zeigt, dass er, gerade weil er die Probleme der spätscholastischen Philosophie ernst nahm, zum exemplarischen Wegbereiter neuzeitlichen Denkens geworden ist."Eckhard Keßler hat in Petrarca und die Geschichte wie keiner zuvor herausgearbeitet, daß die Prozesse der Säkularisierung als Kern jeder Geschichte der Neuzeit zum ersten Mal von Petrarca nach eigener Erfahrung beschrieben und in ihrer Konsequenz durchdacht worden sind. [...] Petrarcas Auffassungen von einer notwendigen Säkularisierung sind seit dem Ende des 18. Jahrhunderts völlig aus dem Bewußtsein der politischen Philosophen und künstlerischen Verweltlicher ausgeblendet gewesen; auch Schlegel und seine Zeitgenossen besaßen von Petrarcas Leistungen nicht einmal eine Ahnung. Daß die politische Theologie, die politische Philosophie, die politische Poesie gegenwärtig nicht nur in fernen Theokratien Konjunktur haben, sondern auch bei uns herbeigesehnt werden, sollte uns für Petrarcas Alternativen interessieren. Keßler gebührt die Ehre; ihm sollten wir zuhören, wenn er über Petrarca spricht."Bazon Brock
 

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