euphemia
Konstruktionen des Guten in Kult und Literatur der griechischen Antike
Gödde, Susanne
2011, 360 S, Gb, (Winter)
Bestell-Nr. 147394

55,00 EUR

Euphêmia heißt wörtlich 'gute Rede' und wird im Kult der griechischen Antike formelhaft verwendet, um die Teilnehmer eines Rituals dazu aufzufordern, die richtigen Worte zu verwenden - Worte, die den Göttern gefallen und die so den glücklichen Ausgang des Rituals begünstigen. Diese Praxis zeigt beispielhaft, welche nahezu magische Kraft nach antikem Verständnis der Sprache zukam. Die Forderung nach euphêmia kann auch der Abwehr der 'falschen', unglückverheißenden Rede gelten, sie kann das Ziel verfolgen, etwas bereits Ausgesprochenes ungeschehen zu machen und seiner unheilvollen Wirkung zu berauben. Die Arbeit fragt nach der 'euphemistischen', und damit eminent rhetorischen Struktur der religiösen Sprache, nach Formen der Tabuisierung und Normierung von Rede, wie sie in literarischen Diskursen von Homer bis Platon reflektiert werden.
 
Gerade die Literatur, besonders die Tragödie, sucht solche Situationen auf, in denen das Gebot der guten Rede verletzt und transgressives Sprechen vorgeführt wird. Bisweilen erweist sich die Überschreitung einer Grenze gar als 'gut' - eine Beobachtung, die sich autoreferentiell auf die Poetik der Tragödie beziehen läßt. Die Studie zeigt, daß der religiösen Praxis der Antike ein Konzept des Guten zugrunde liegt, das keiner ethischen oder philosophischen Norm entspricht. 'Gut' im rituellen Sinne können Klagen oder Schreie, Lachen oder Obszönitäten sein. Erst Platon funktionalisiert die euphêmia im Sinne der Disziplinierung der Affekte und verpflichtet sie auf die Rede von 'guten' Göttern, die allein Anspruch auf Wahrheit erhebe.

Die Autorin ist Preisträgerin des 'Heidelberger Förderpreises für klassisch-philologische Theoriebildung' 2007
 

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