Aus Sand bauen - Tropentheorie auf schmaler relationaler Basis
Ontologische, epistemologische, darstellungstechnische Möglichkeiten und Grenzen der Tropenanalyse
Sladek, August W.
2009, 2506 S, Kt, (Logos)
Bestell-Nr. 147514

198,00 EUR

Warum braucht eine Tropentheorie zweieinhalbtausend Seiten Text, wenn zweieinhalb Seiten ausreichen, um ihre Grundidee vorzustellen? Weil der Verfasser zuerst sich und dann seine Leser, auf deren Geduld er baut, überzeugen will, dass die ontologische Grundidee von Tropen als den Bausteinen der Welt wirklich trägt und sich mit ihnen die Gegenstände nachbilden lassen, die der eine oder andere glaubt haben zu müssen. Um metaphysischen, epistemologischen Dilemmata zu entgehen, sie wenigstens einigermaßen zu meistern, preisen viele Philosophen Tropen als "Patentbausteine" an. Die vorliegende Arbeit will Tropen weniger empfehlen als zeigen, wie sie sich anwenden lassen. Dies ist weit mühseliger als sich mit Andeutungen zu begnügen, wie brauchbar sich doch Tropen erweisen werden, machte man sich die Mühe sie einzusetzen. Lohnt sich die Mühe wirklich? Der Verfasser wollte zunächst nachweisen, dass sie sich nicht lohnt. Das Gegenteil ist ihm gelungen. Zwar sind Tropen wie Sandkörner. Was lässt sich schon aus Sand bauen, das Bestand hat? Wenn man nur genug "Zement" nimmt, gelingen gewiss stabile Bauten, doch wie viel und welcher "Zement" ist erlaubt? Nur schwache Bindemittel dürfen es sein; sonst gibt man sich mit einer hybriden Tropenontologie zufrieden, die Bausteine aus fremden, konkurrierenden Ontologien hinzunimmt. Die vier Bände bieten eine schwächst-mögliche und damit unvermischte, allerdings mit Varianten und Alternativen behaftete Tropentheorie an samt ihren Wegen, Nebenwegen, Anwendungstests.
 
Die drei Kapitel dieses Bandes entwickeln die Grundlagen der Tropentheorie für Tropenanalysen: für Nachgestaltungsprozeduren von Welten, Weltausschnitten als Tropenwelten, Tropengebilden. Die Grundlagen haben ein doppelte Ausrichtung: Sie sind relationen-, graphentheoretisch und ontologisch-interpretativ verankert. Die beiden ersten Kapitel sind in beiden Aspekten insgesamt ausbalanciert, Kapitel eins entwickelt zunächst die "tradierte" Tropentheorie weiter mit zwei Relationen zwischen Tropen, Ortung und Ähnlichkeit genannt. Den meisten Raum nehmen Vorschläge ein, wie man die beiden Tropenrelationen, die in ihrer Zweiheit Universalien nahe kommen, durch eine einzige Relation zwischen Tropen verschiedener Ordnung ersetzen, wie durch Instanzenverteilungen der Ersatzrelation schließlich Ordnungsmarkierungen entbehrlich werden. Damit darf man die beiden Tropenbindungen Ortung und Ähnlichkeit behalten. Kapitel zwei untersucht allgemein Typen von Tropengebilden, führt Kerne aus gleichgebundenen Tropen und Nachbarschaften zwischen Kernen als gebündelte Tropenbindungen ein und wägt ab, welche Tropengebilde Dinge -- Objekte und Eigenschaften -- am verlässlichsten nachbilden. Dinge in ihrem Verhältnis zueinander müssen zunächst relational-mereologisch bestimmt werden: Das dritte Kapitel widmet sich überwiegend abstrakten auf Tropengebilden ausgebildeten Mereologien. Die Tropenanalysen der beiden folgenden Bände beruhen im Wesentlichen auf tropenmereologischen Nachbildungen. Das den dritten Band eröffnende vierte Kapitel führt die Zwei-Einigkeit wechselseitigen Gestaltens von Dingen in ihren Hälften vor: von Eigenschaften durch Eigenschaften als Kerne der Ähnlichkeitshälfte, die als Teile einer Mereologie ein (protosemantisches) System von Hyperonymien bilden, von Objekten als Gefügen der Ortungshälfte durch ihre Tropen in und als Eigenschaften. Ohne inhaltliche Sortierungen der Tropen in ihren Ähnlichkeitscharakteren (Zügen) kommt keine Analyse voran; immerhin sind die Sortierungen tropenrelational, ähnlichkeitsmereologisch begleitet. Die Bezogenheit von Objekten und Eigenschaften drückt sich in Attributionen aus. Attributionen in mehreren Spielarten führt Kapitel fünf ein und im Anschluss daran Prädikationen; sie beruhen auf Attributionen im Rahmen mereologischer Strukturen: Muster, deren argumentstrukturelle Gemeinsamkeiten die Züge von Thema-Tropen festhalten. Benötigt werden die Tropennachbildungen von Attributionen und Prädikationen schon in Kapitel vier, für die Gliederung von Objekten in Teilstrukturen (Partien), für Klassifikationen von Objekten als Ortungsgefügen, unter denen die Analyse zu wählen hat. Am Ende des fünften Kapitels geht es um Verhältnisse, Abgrenzungen zwischen Mustern, um Trennungen und Verdopplungen. Kapitel sechs behandelt Aufbauverhältnisse zwischen Mustern, führt verallgemeinerte Muster ein und skizziert eine Anwendung: Innerhalb der Ähnlichkeitshälfte lassen sich Strukturen eines generativen Lexikons nachbilden. Die sechs Kapitel des vierten Bands wenden an, weiten in verschiedenen Richtungen aus, was der dritte Band der Tropenanalyse an Mitteln des Nachbildens verschafft hat. Das siebte Kapitel beschäftigt sich mit einigen, auch extremen Anwendungen eines einfachen, variantenreichen, flexibel einsetzbaren teilsymmetrischen Prädikationstyps, der Teilhabe. Kapitel acht analysiert Lokalisationsweisen, wie sie -- ergänzend, konkurrierend zu Ortungsverhältnissen -- durch die Züge von Tropen in ihrer Ähnlichkeitsmereologie, durch Lokalisations-Muster eingebracht werden. Räumliche Lokalisation wird gestreift, die einfachere eindimensionale zeitliche Lokalisation im Kontext von Wandel an Objekten genauer behandelt. Die Verfahren von Zeit- lassen sich auf Modallokalisation übertragen. Zusätzlich führt Kapitel neun alternative Nachgestaltungen kurz vor. Kapitel zehn stellt verschiedene zu erfassende Gegenstände, verschiedene Erfassungsweisen nebeneinander. Will man in Kapitel zwölf zeichenhaftes Erfassen in Tropenwelten derart verbreiten, dass man nicht nur einigen, sondern allen Tropen Designans-Tropen zuordnet, so stößt man an Grenzen des Analyserahmens, zumal wenn man eine sich selbst ausdrückende (homophone) Tropenwelt sucht. Der "flächendeckende" Einsatz von Wahrheits-Tropen ist gleichfalls grenzwertig. Kapitel elf verlässt den Boden der Standard-Tropenanalyse, zerlegt den Charakter einer Trope in Seiten-Tropen und muss nun auf schmaler relationaler Basis Seiten-Tropen als Merkmale ihren Bezugs-Tropen (Attribut-Tropen) ankoppeln.
 

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