Entgrenzungen
Ein europäischer Beitrag zum Diskurs der Moderne
Schelkshorn, Hans
2009, 760 S, Gb, (Velbrück)
Bestell-Nr. 147719

44,90 EUR

Im 20. Jahrhundert bilden sich in der euroamerikanischen Philosophie drei paradigmatische Haltungen gegenüber der Moderne heraus: Eine radikale Aufklärungskritik entlarvt das neuzeitliche Denken als ein planetarisch wucherndes Machtsyndrom ohne Auswege aus der Krise weisen zu können (Heidegger, Horkheimer/Adorno, Foucault); die philosophische Postmoderne, die die Moderne auf ein kulturelles Phänomen reduziert, setzt die emanzipatorischen Errungenschaften der Neuzeit aufs Spiel (Rorty, Lyotard); Verteidiger der Aufklärung bestimmen die Moderne als einen vorläufigen Endpunkt eines menschheitlichen Lernprozesses, ohne die kulturimperialistischen Implikationen ihrer Deutung hinreichend zu reflektieren (Habermas). Vor diesem Hintergrund wird in dieser Arbeit der Versuch unternommen, die Moderne jenseits der Alternative »Vernunft versus Macht« als einen vielschichtigen Prozess von Entgrenzungen zu beschreiben, in dem von Anfang an rationale Durchbrüche und kulturelle Visionen miteinander verschmolzen sind.
 
Im Zentrum der Moderne steht ein vielschichtiger Prozess von Entgrenzungen, der in der Philosophie der Renaissance anhebt und die Weltgesellschaft bis heute bestimmt. Noch vor Kopernikus entwirft Nikolaus von Kues die Idee eines grenzenlosen Universums auf der Basis einer neuen Metaphysik des Unendlichen. Wenige Jahrzehnte später verherrlicht Pico della Mirandola die schöpferische Freiheit des Menschen gegenüber der Vorstellung einer festen menschlichen Natur. Unter dem Eindruck der Eroberung Amerikas entwickelt Francisco de Vitoria die Vision einer Weltgesellschaft, in der jahrtausendealte Barrieren zwischen Menschen und Völkern überwunden werden. Auf der Grundlage der spektakulären Aufbrüche in der Philosophie der Renaissance entstehen im 17. Jahrhundert die Ideen eines grenzenlosen wissenschaftlich-technischen Fortschritts und ökonomischen Wachstums, in deren Bann die Menschheit heute in eine ökologische Katastrophe zu stürzen droht. Von der Kategorie der Entgrenzung her eröffnet sich daher ein neuer Blick sowohl auf die rationalen Errungenschaften als auch die Ambivalenzen und Aporien der Moderne.
 

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