Paternalismus
Fallstudien zur Genese des Begriffs
Zude, Heiko Ulrich
2010, 256 S, Gb, (Alber)
Bestell-Nr. 147926

36,00 EUR

Der Begriff "Paternalismus" begegnet zunehmend auch in deutschsprachigen Diskussionen v. a. der Medizinethik wie auch der politischen Ethik oder der Rechtsethik. Allerdings ist dieser nur selten inhaltlich bestimmt. Welche impliziten Voraussetzungen und Vorwürfe aber verbergen sich hinter dem Schlagwort "Paternalismus"? Diese Frage sucht die vorliegende Studie zu beantworten, indem der Terminus im Rahmen der drei wichtigsten Diskussionszusammenhänge, die zugleich den Aufbau der Arbeit bestimmen, analysiert wird:

1.) 19. Jahrhundert, USA: Der ursprüngliche "Sitz im Leben" des Terminus findet sich 1873 im Kontext der politischen Philosophie und verlagert sich im Zusammenhang der amerikanischen Industrialisierung zunehmend in die Sphäre der politischen Ökonomie. R.T. Ely gibt Paternalismus zu verstehen als theory of those who claim that sovereignty is paternal in origin and paternal in character.

2.) 20. Jahrhundert, England: Die rechtsethische Devlin-Hart-Debatte bildet den zweiten Diskussionszusammenhang. H.L.A. Harts Definition des Paternalismus als protection of people against themselves erweist sich als indirekte Bestätigung der anthropologischen These in I. Berlins Konzept der positiven Freiheit. Zugleich verknüpft Hart die Paternalismusthematik mit dem liberalen Utilitarismus John Stuart Mills. In der Auseinandersetzung mit dem konservativen Richter P. Devlin gewinnt der Begriff erstmals philosophische Prägnanz.

3.) 20. Jahrhundert, USA: Die große amerikanische Paternalismusdiskussion setzt die Devlin-Hart-Debatte zwar voraus, entwickelt jedoch ihre Dynamik wesentlich in der Auseinandersetzung mit dem Entwurf von J. Feinberg und G. Dworkins Bestimmung des Paternalismus als interference with a person's liberty of action justified by reasons referring exclusively to the welfare, good, happiness, needs, interests or values of the person being coerced. Durch die kritischen Anfragen an diese Konzepte von medizinethischer Seite gewinnt die zunächst rein rechtsethische Diskussion entscheidend an Differenziertheit.
 

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