Zur Genesis des ästhetischen Fundamentalismus
Historische, typologische und soziologische Untersuchungen
Tellkampf, Urs L
2010, 500 S, Kt, (Kovac)
Bestell-Nr. 149701

128,00 EUR

Die Studie untersucht die Grundlagen des ästhetischen Fundamentalismus in der von H. A. Korff so bezeichneten „Goethezeit“ (1770-1830). Ein wesentliches Kennzeichen dieser Epoche ist der Versuch, auf die Aufklärung und den darin involvierten Niedergang traditionaler Werte und Weltanschauungen mit dem Entwurf eigener Geschichtsbilder und Mythologien zu antworten. Diese wollen als Traditionsgründungsakte zugleich eine Kompensation der mit der Aufklärung gegebenen Kontinuitätsbrüche leisten. Vor dem zeitlichen Panorama werden die Begriffe der Autonomisierung, Remythologisierung und Sakralisierung anhand einschlägiger Quellen auf Merkmale hin untersucht, die deren konstitutiven Charakter für ästhetisch-fundamentalistisches Denken erkennen lassen. Der Begriff der Autonomisierung wird exemplarisch am kritischen Werk Immanuel Kants dargelegt, der Veranschaulichung von Remythologisierung und Sakralisierung dient das poetische und theoretische Werk Friedrich Schillers. Hieraus folgt jedoch nicht, daß die Genannten selbst ins Umfeld des ästhetischen Fundamentalismus gehörten. Die Ausführungen sind zugleich im Lichte der kritisch reflektierten Trias „Tradition“, „Konservati(vi)smus“ und „Fundamentalismus“ zu sehen. Alle drei Begriffe erweisen sich bei genauerer Betrachtung als durchaus verschieden; gemeinsam ist Konservati(vi)smus und Fundamentalismus ein enger Bezug zu einer wie immer interpretierten Tradition und eine gemäßigt kritische bis radikal ablehnende Haltung zum Projekt der Moderne. Ein entsprechender Vergleich dieser Phänomene lag bislang nicht vor. Der Fundamentalismus selbst ist ein Konglomerat von Paradoxien, die aus seinem Anspruch resultieren, sich zeit- und weltablehnend gegen die moderne Gesellschaft zu stellen, dies aber mit Mitteln, die ihrerseits in den Kontext der Moderne gehören. Die Folgegeschichte des ästhetischen Fundamentalismus, von Richard Wagner und Stefan George bis in die Gegenwart reichend, wird abschließend skizziert.
 

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