Hermeneutik und Anthropologie
Giammusso, Salvatore
2012, 180 S, Gb, (Akademie)
Bestell-Nr. 231230

69,80 EUR

Die in diesem Band vereinten Schriften Salvatore Giammussos widmen sich der Auslegung und produktiven Aneignung der Anthropologie, wie sie in der zeitgenössischen Philosophie von Wilhelm Dilthey und seiner Schule geltend gemacht wurde. Bei der Deutung dieser Denkrichtung spielt der Gedanke des Unergründlichen – vita abscondita – eine wichtige Rolle, weil er erkenntnistheoretische und ethische Aspekte zusammenhält.

Das Leben für unergründlich zu halten, bedeutet mit der Kreativität menschlichen Seins Ernst zu machen. Grundlosigkeit und Kreativität sind in dieser Hinsicht ein und dasselbe. Das Leben kann in seinem kreativen Charakter weder auf die Strukturen des Seins noch auf die Apriori einer transzendentalen Subjektivität reduziert werden. Es ist ein produktives Ganzes, das ständig neue individuelle Formen entstehen lässt, Indem die Diltheysche Tradition die Idee der Unergründlichkeit betont, rückt sie in die Mitte der Erkenntnistheorie die Frage nach einem angemessenen Verstehen der individuellen, kreativen Phänomene menschlicher Lebensformen. Sie will deshalb die Daseinsontologie und den Transzendentalismus durch eine Hermeneutik ersetzen, die die Lebenswelt als Textur von Bezügen und produktive Spannung zwischen Individualitäten und historischen Kontexte auslegt.

Der Gedanke der Unergründlichkeit beschränkt sich aber nicht auf dem Gebiet der Erkenntnistheorie. Das Leben für unergründlich zu nehmen, hat praktische Konsequenzen. Ein hermeneutisches Philosophieren, das an diese Idee anknüpft, tritt entschieden für einen emanzipatorischen Demokratiebegriff sowie für eine Erziehung zur Urteilsfähigkeit im Dialog und öffentlichen Leben ein. Eine Haltung der integrativen Offenheit und der Ehrfurcht vor dem Leben ist ihr ethischer Vorschlag, zu dem ein Verstehen der Natur entspricht, die wir immer schon sind. In dieser Perspektive bildet die Frage, was der Mensch ist, kein zeitloses Problem der Philosophiegeschichte, sondern den Themenbereich einer hermeneutischen Anthropologie, die sich für die Ergebnisse der Einzelwissenschaften und für die Probleme des praktischen Lebens offen hält.
 

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