Der Zyklop in der Wissenschaft
Kant und die _anthropologia transcendentalis_
Tommasi, Francesco Valerio
2018, 200 S, Kt, (Meiner)
Bestell-Nr. 381469

98,00 EUR

Wie bekannt unterscheidet Kant eine Anthropologie »in physiologischer Hinsicht« und eine »pragmatische« Anthropologie, aber die Anthropologie bleibt doch stets ein empirisches Wissen und besitzt eindeutig keine apriorische Universalität. Umso mehr muss man sich über eine Reflexion aus dem handschriftlichen Nachlass wundern, wo Kant eine »anthropologia transcendentalis« erwähnt. Bei allen Vorbehalten wegen der Singularität dieser Formulierung besitzt die Stelle eine wichtige Bedeutung und erfordert eine genauere Analyse. Denn in jener Reflexion erklärt Kant auch, dass der Gelehrte vermeiden müsse, ein »Cyclop« zu werden, das heißt die Phänomene mit nur einem Auge zu betrachten. Dies sei nämlich die Haltung des »Egoisten der Wissenschaft «, der »seinen Kräften zu viel zutraut«. Jeder Arzt, Theologe, Jurist, selbst Geometer hat Kant zufolge »noch ein Auge nötig, welches macht, dass er seinen Gegenstand noch aus dem Gesichtspunkte anderer Menschen ansieht«. Dieser Gesichtspunkt steht hier ausdrücklich mit der »Critik« und der »Selbsterkenntnis« des menschlichen Verstandes und der menschlichen Vernunft in Verbindung: die Anthropologie wird hier also nicht nur als »transzendental « charakterisiert, sondern sie wird auch in direkten Zusammenhang mit dem anderen entscheidenden zentralen Titelwort der reifen kantschen Philosophie gebracht: »Kritik«.
 

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