Irrationalität als Wagnis
Philosophische Theorie und psychoanalytische Praxis
Popp, Judith-Frederike
2019, 370 S, Kt, (Velbrück)
Bestell-Nr. 383904

39,90 EUR

Philosophie und Psychoanalyse unterhalten seit Sigmund Freuds Lebzeiten ein spannungsvolles Verhältnis. Die damit einhergehenden Diskussionen tendieren jedoch immer wieder dazu, die Disziplinen gegeneinander auszuspielen oder sie aneinander anzugleichen. Dieses Buch stellt sich der Herausforderung, einen disziplinenübergreifenden Standpunkt jenseits solcher Einseitigkeiten zu identifizieren, von dem philosophische wie psychoanalytische Perspektiven in Hinblick auf ihr ethisches Denken und ihr kritisches Selbstverständnis profitieren können. Den Ausgangs- und Schwerpunkt bildet dabei ein philosophisches Unbehagen gegenüber aktuellen philosophischen Ansätzen, die ein Ideal praktischer Vernünftigkeit propagieren, demzufolge sich gelingendes Person-Sein aus einer abstrakten Vorstellung reflexiver Distanznahme ableiten lässt. Im ersten Kapitel wird der Ansatz von Christine Korsgaard als exemplarischer Fall dieses Vorgehens diskutiert. Die weitere Argumentation ergibt sich aus den Überlegungen, dass dieses Ideal der Vielfalt praktischer Vernunftausübung und Selbstbestimmung nicht gerecht werden kann und dass dieser Umstand wesentlich mit einer fehlenden Praxis methodologischer Selbstreflexion zusammenhängt. Der erste Punkt wird anhand des Phänomens praktischer Irrationalität diskutiert, dessen Relevanz für menschliche Lebenswirklichkeiten von den abstrakten Idealisierungen praktischer Vernünftigkeit nicht erfasst werden kann. Der zweite Punkt impliziert eine Hinterfragung des philosophischen Standpunkts als paradigmatischer Verkörperung von Vernunft als reflexiver Distanznahme, die über eine Konfrontation mit psychoanalytischer Theorie und Praxis schließlich zu einer philosophischen Perspektive zurück führt, deren Potential sich gerade in der Kritik ihrer eigenen Rationalitätsansprüche entfaltet. In der Zusammenführung dieser Punkte unter Berücksichtigung von Autoren wie Martin Seel, Sebastian Gardner oder Jonathan Lear gewinnt so ein Bild von Irrationalität Kontur, bei dem die philosophisch-ästhetische Erkundung psychoanalytischer Erzählungen das Potential dieses Phänomens hervortreten lässt, Selbstbestimmungspraktiken als Wagnis zu bereichern.
 

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