Tot in Rom?
Zur Denkfigur Unendlichkeit in den Texten Wilhelm von Humboldts
Palladino, Irmgard
2018, 342 S, Kt, (K&N)
Bestell-Nr. 381400

49,80 EUR

Die Rede ist von einer merkwürdigen Variante deutscher Italiensehnsucht: Dem Wunsch, in Rom begraben zu werden, der im Fall Wilhelm von Humboldts mit einem konkreten Glücksgefühl korreliert. Das ist schon deshalb bemerkenswert, weil Humboldts römischer Aufenthalt vom Sterben dreier seiner Kinder und seines Freundes Schiller überschattet wurde. Die Frage nach dem Niederschlag, den die Auseinandersetzung mit dem Tod in Humboldts Texten fand, rekonstruiert die vorliegende Untersuchung als Form einer Werkpolitik, die es unternimmt, den eigenen Nachruhm in verschiedenen Diskursen zu steuern. Humboldts Terminologie, die den christlich besetzten Begriff ,Unsterblichkeit? durch den Begriff ,Unendlichkeit? ersetzt, wird in sechs privilegierten Lektüren nachgegangen. Zu einer Zeit, als Philosophie, Ästhetik und Naturwissenschaften auseinander zu treten begannen, formulierte Humboldt eine Vision von Wissenschaft, die ihre theoretische Legitimation in den Arbeiten von Thomas S. Kuhn gefunden hat. Roms Ruinenlandschaft wurde für den Klassizisten und Verfasser einer Stanzendichtung zum Formenspender, für den Sprachphilosophen und Historiker zum Reflexionsmedium der Relation Endlichkeit-Unendlichkeit, für das biographische Individuum zum Palliativum der Sterblichkeit. Die Konzeption einer sich zum individuellen Ideal ausbildenden Persönlichkeit als Voraussetzung nachhaltiger Wirkung wird zum Ausgangspunkt eines Prinzips, das sich anschickt, die im Zuge der Aufklärung abhanden gekommene metaphysische Sinninstanz anthropologisch neu zu definieren.
 

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